Geschichte der Partnerschaft zwischen der Gemeinde Marpingen und der ungarischen Stadt Simontornya

Die Ursprünge der Partnerschaft zwischen der Gemeinde Marpingen und der ungarischen Stadt Simontornya gehen auf private Kontakte zurück, die in den 1980er Jahren geknüpft wurden. Mehrere Personen aus dem Marpinger Gemeindebezirk Urexweiler verbrachten damals einige Urlaubstage am Plattensee. Aus einer bei dieser Gelegenheit geknüpften Bekanntschaft zwischen einem Mann aus Urexweiler und einer Frau aus Simontornya entwickelte sich eine Ehe, die bis heute andauert und aus der eine Tochter hervorgegangen ist.

Zur Hochzeit, die 1988 im Kulturhaus von Simontornya stattfand, reisten auch viele Verwandte und Bekannte des Bräutigams. Während ihres Aufenthaltes in Simontornya wurde den Gästen aus Urexweiler sehr schnell deutlich, dass in der von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelten Stadt südlich des Plattensees ein Mangel an vielen Gütern des täglichen Gebrauchs herrschte. Auch die Ausstattung und Infrastruktur der öffentlichen Gebäude (darunter Kindergärten und Schulen) ließ nach westlichen Maßstäben sehr zu wünschen übrig.

Einige der Mitreisenden nahmen diese Situation unter der Regie von Paul Ottenbreit zum Anlass, schon bald nach ihrer Rückkehr einen Hilfstransport nach Simontornya zu organisieren. Aus einem kleinen Kreis von Helfern entwickelte sich schnell eine größere Gruppe, die sich den Namen „Ungarnfahrer“ gab. Dem ersten Hilfstransport folgten weitere, bis schon nach relativ kurzer Zeit drei bis vier Transporte pro Jahr durchgeführt wurden. Nach dem frühen Tod Ottenbreits übernahmen Siegbert Klemm und Anton L’hoste die Organisationsleitung für die regelmäßigen Transporte, die bis heute andauern und trotz sichtbarer Verbesserungen in Simontornya immer noch gebraucht werden.

Die Bilanz der Hilfstransporte kann sich wirklich sehen lassen. Zu Buche schlagen nicht nur die vielen Tonnen an Kleidern, Möbelstücken, Fahrrädern, Spiel- und Sportgeräten, Haushaltswaren und Gegenständen des täglichen Gebrauchs, die in den mittlerweile fast 60 Transporten nach Ungarn gebracht und an Privatpersonen verteilt wurden. Zu recht besonders stolz sind die „Ungarnfahrer“ auf die massive Unterstützung, die sie den Kindergärten, den Schulen und dem Altenheim in Simontornya sowie dem Kreiskrankenhaus in Pincehely durch die Lieferung von Mobiliar (Tische, Bänke, Stühle, Kücheneinrichtungen etc.), Computern sowie sonstigem technischem bzw. medizinisch-technischem Gerät geben konnten. Gerade das Krankenhaus hätte zeitweilig ohne das große Engagement der „Ungarnfahrer“ kaum eine Überlebenschance gehabt.

Im Jahre 1997 wurden die Verbindungen zwischen Urexweiler und Simontornya, die bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich durch private Kontakte und Initiativen getragen worden waren, erstmals in einem Vertrag besiegelt. Vertragspartner waren das Deutsche Rote Kreuz, Ortsgruppe Urexweiler, und das Rote Kreuz Simontornya, das eigens zu diesem Zweck gegründet worden war. Ziel dieser Partnerschaft war es zum einen, die Kontakte auf eine breitere Basis zu stellen. Zum anderen erhoffte man sich zu Recht, über diese Achse den damals schwierigen bürokratischen Weg bei der Einführung von Hilfsgütern nach Ungarn erleichtern zu können.

Eine weitere Stufe der Intensivierung erfuhren die Bindungen zwischen den beiden Kommunen durch den Abschluss einer offiziellen Städtepartnerschaft. Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden erfolgte 1999 in Marpingen und im Jahre 2000 in Simontornya. Seither gibt es zwischen beiden Gemeinden häufige und vielfältige Kontakte auf verschiedenen Ebenen: auf privater Basis, auf der Ebene der Vereine und Institutionen sowie zwischen den Gemeindeverwaltungen und politischen Vertretungen. Neben den regelmäßigen Hilfstransporten bildet der jährliche Jugendaustausch (mit Besuch und Gegenbesuch) einen wesentlichen Schwerpunkt der Partnerschaftsaktivitäten. Weitere „Bausteine“ sind der Kulturaustausch, die Sportbegegnungen, die wechselseitigen Besuche der Bürgermeister und Ratsmitglieder und nicht zuletzt die vielen privaten Kontakte. Alles in allem ergibt sich das Bild einer sehr lebendigen und nachhaltigen Partnerschaft, die für beide Partner einen hohen Stellenwert besitzt.

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